Ich arbeite nun schon seit vielen Jahren am Fiero, und da habe ich schon die haarsträubendsten Sachen gesehen, vor allem im Bereich Fahrzeugelektrik. Das beginnt bei Lautsprecherkabeln, die unter der Haube verlegt wurden über Lüsterklemmen, die der Witterung ausgesetzt sind und endet bei verdrillten und mit Isolierband "fixierten" Verbindungen.

Aus diesem Anlaß möchte ich an dieser Stelle ein paar Worte über die Elektrik verlieren. Der Fiero ist bereits "ab Werk" mit einem schlechten Ruf bezüglich der Elektrik belastet, was aber hauptsächlich auf Probleme von 1984 Fieros der ersten Serien zurückzuführen ist. Ich habe in meinen Fieros keine ernsthaften Probleme feststellen können, die auf die Elektrik zurückzuführen sind. Wenn es Probleme gibt, hängt das oft damit zusammen, dass Kontakte oder Verbindungen den Elementen (sprich: Wasser und Luftfeuchtigkeit) ausgesetzt sind. Beispiele dafür sind z.B. defekte Silikondichtung der 1984-1987er Lüfterrelais.

Dabei ist es ganz einfach, vernünftig zu arbeiten, und das richtige Werkzeug ist gar nicht so teuer, wenn man bedenkt, was Fiero-Teile oder Sprit so kosten, und wieviel Zeit man sich mit den richtigen Werkzeugen so spart (mal ganz zu schweigen von zuverlässigeren Kontakten, mit denen man hoffentlich nicht so leicht liegen bleibt). Die Umverdrahtung eines 1227730 Steuergeräts zum Beispiel mit einer Büroklammer ist um Welten nerviger als mit dem korrekten Entriegelungswerkzeug.

Stoßverbinder & Co.

In Deutschland recht verbreitet sind isolierte Stoßverbinder und Stromdiebe in Farbcodierung rot (klein), blau (mittel) und gelb (groß). Sie haben den Vorteil, dass sie praktisch in jedem Baumarkt erhältlich sind, und im Fahrzeuginneren passabel funktionieren. Die Steckkontakte bieten zwar keinen Schutz vor Falschanschlüssen, aber das akzeptieren die meisten Anwender. Was hier ganz wichtig ist, ist eine gute Crimpung. Die Billig-Crimpzange, die es in Baumärkten zu kaufen gibt, taugt praktisch überhaupt nicht, und wer diese isolierten Crimpungen öfters durchführt, sollte z.B. bei Conrad eine halbwegs ordentliche Crimpzange (804096) für isolierte Crimps kaufen. Die Crimpzange gibt es übrigens auch in einer Ausführung für unisolierte Crimpungen (804070), die jedoch im Fiero praktisch nicht verwendet werden. Eine Ausnahme bilden nur (deutsche) unisolierte Relaissockel, die vielleicht hier und da Verwendung finden.

Delphi-Steckverbinder

Wenn man jedoch an der Verkabelung etwas warten muss (also z.B. defekte Steckerkontakte ersetzen), oder etwas neu installieren möchte, das werksmäßig aussieht und nicht gleich jedem ungeübten Laien als verbastelter Eigenbau auffällt, kommt man an Delphi-Steckverbindern nicht vorbei. Denn die original im Fiero verbauten Steckverbinder stammen allesamt von dieser Firma. In Deutschland bekommt man Stecker und Kontakte günstig und auch in Einzelstücken bei der Firma Deytrade. Folgende Steckerserien wurden im Fiero verwendet:

  • Weatherpack - das sind die runden Steckkontakte mit grünen Gummidichtungen am Kabel und am Stecker selbst. Im Fiero verwendet für wasserdichte Verbindungen bis 6 Kontakte, z.B. am MAP-Sensor.
  • Metripack 150 unsealed - die kleinen unisolierten Steckerchen z.B. für die "Himmelkonsole" mit Subwofer, den Kabelbaum für das Rally Cluster, die Türajar-Schalter, etc. Gibt es mit ca. 1-8 Kontakten.
  • Metripack 150.2 pull-to-seat sealed - die wasserdichte Variante, bei der alle Kabel eine gemeinsame Dichtung besitzen, und die so Platzsparend sind. Da hier die Kontakte nicht von hinten, sondern von vorne in den Stecker eingesetzt werden, hat dieser Steckertyp keine TPA. Verwendet wird er u.a. am Zündmodul und am Lufttemperaturfühler.
  • Metripack 280 unsealed - genau wie Metripack 150, nur breitere Kontakte (2.8 mm), die mehr Strom aushalten. Zum Beispiel im ALDL-Stecker, C100 und C500 (hier mit Teer zur Abdichtung gegen Feuchtigkeit), C203, etc.
  • Metripack 480 unsealed - wie Metripack, nur 4.8 mm breit.
  • Metripack 630 unsealed - der breiteste Metripack mit 6.3 mm Breite.

Den Metripack gibt es auch in einer wetterfesten Variante - Metripack sealed. Wird im Fiero ab Werk kaum verwendet, erst ab 1988 ging es los, und hat z.T. Weatherpack ersetzt. Beispiele: 1988er Lüfterrelais, 1988er Einspritz-Kabelbaum. Der Steckkontakt ist dem ungedichteten Metripack sehr ähnlich, nur hat er (ähnlich wie Weatherpack) am Ende eine Halteklammer für eine Kabeldichtung. Die Kabeldichtungen gibt es mit verschiedenen Innendurchmessern, die je nach zu verwendendem Kabeldurchmesser farbkodiert sind.

Schließlich gibt es noch:

  • Micropack ungedichtete (unsealed) Stecker - Dies sind die Steckverbinder für elektronische Geräte, im Fiero praktisch nur das ECM. Man erkennt sie leicht daran, dass für jeden kontakt 2 Löcher vorhanden sind. Ein Loch für den Kontakt, und eines für die Entriegelung.
  • PackCon - Diese Stecker sind z.B. am Fensterhebermotor oder im Sicherungskasten. Leider sind die Kontakte heute relativ schwierig zu bekommen
  • Platinensteckkontakte - im Handel oft als "ECM-Kontakte" bezeichnet, stecken im Fiero am Tachostecker, Cruise-Module-Stecker und am 87/88 4-Zylinder ECM. Auch hier ist es etwas schwierig, Kontakte zu bekommen, Dorman führt sie unter der Teilenummer 85323 für 5 Stück, NAPA führt sie auch einzeln (NW725158), aber da zahlt man pro Stück einen Dollar. Dorman hat die Kontakte zwar nicht mehr im aktuellen (2014) Katalog, aber die Blisterpacks der Marke "Conduct-Tite! 85323" finden sich noch oft in Teileläden in den USA. Ein Kontakt kann inzwischen bis zu $3 kosten! Der offizielle Name dieser Stecker/Kontakte wäre sehr interessant...
  • Packard 56 (Delphi/Packard Series 56) - "Female Terminals" für u.a. die Stecker der Schalter für Fensterheber, Kofferraumentriegelung oder heizbare Heckscheibe.
  • Foliensteckkontakte - im Fiero ausschließlich auf der Rückseite des Tachogehäuses. Auch hier würde mich die "offizielle" Bezeichnung interessieren. Ich habe bisher nur diese Bezugsquelle gefunden, die "1973-1987 GM (TRUCK) PRINTED CIRCUIT BOARD CONNECTOR" mit den Bestellnummern BW900216 und BW900217 und führt, wo man scheinbar Steckergehäuse und einen Satz Kontakte bekommen kann. Die gleichen Stecker/Kontakte gibt es unter der Bezeichnung RFW-PC12 bzw. RFW-PC18 bei der Firma EZ2Wire.

Entriegelung

Jaja, die Entriegelung. Die amerikanischen Ingenieure haben sich eine doppelte Verriegelung einfallen lassen: zum Einen ist der Kontakt (je nach Serie) mit 1-2 Laschen versehen, mit denen er im Steckergehäuse verriegelt. Und dann ist der Kontakt noch mit einer "Terminal Position Assurance" (kurz TPA) verriegelt. Die ist entweder integraler Part der Steckers (wie bei Weatherpack) oder wird hinten am Stecker auf- bzw. eingesteckt (Metripack unsealed bzw. sealed).

Die TPA bekommt man in der Regel ohne besonderes Werkzeug auf. Ein kleiner Schraubendreher reicht meist. Die Kontaktverriegelung bekommt man aber (meist) nicht ohne ein Spezialwerkzeug entriegelt. Beim Weatherpack ist das eine dünne Hülse, die von vorne in den Stecker eingeführt wird und beide Laschen gleichzeitig zusammen drückt. Das ist das "gelbe" Entriegelungswerkzeug (12014012).

Für Metripack (sealed und unsealed) gibt es einen "Terminal-Pick", also eine stabile, flache Nadel, die genau in dafür vorgesehene Löcher im Stecker passt, und die Entriegelung niederhält. Diese Werkzeuge sind die "grünen" (12094429) und "blauen" (12094430) Entriegelungswerkzeuge (150/280 bzw. 280 und größer).

Und für unsealed Micropack gibt es das "rote" Entriegelungswerkzeug, das in das rechteckige Loch über dem Kontakt passt. Damit ist die Entriegelung ein Kinderspiel. Bei diesem Steckertyp kann man zwar auch mit einer Büroklammer arbeiten, aber wer schon mal mit dem richtigen Entriegelungswerkzeug gearbeitet hat, will nichts anderes mehr.

Das schöne ist: die Entriegelungswerkzeuge sind gar nicht mal teuer, und in Deutschland auch bei Deytrade erhältlich. Zumindest die gelben, blauen und grünen Entriegelungswerkzeuge gibt es da für unter 10 Euro. Leider haben sie das rote Werkzeug nicht im Programm (aber das ist auch in den USA mit ca. 15 Euro doppelt so teuer wie die anderen Werkzeuge).

Crimpzange

Bleibt noch die neue Crimpung selbst. Die Crimpwerkzeuge aus dem Baumarkt taugen normalerweise überhaupt nicht. Ich habe in den USA eine relativ preiswerte Crimpzange bestellt, die neben 3 Crimpgrößen für das Kabel auch die Dichtungen für Weatherpack und Metripack in der wetterfesten Ausführung verarbeiten kann. Die Zange trägt die Bezeichnung T18 und ist z.B. erhältlich bei White Tools. Man bekommt sie aber oft bei ebay USA z.T. im Set mit einem gelben Weatherpack Entriegelungswerkzeug zu stark variierenden Preisen von $10-$100.

Wellrohr

Und damit die Kabel außerhalb des Fahrgastraumes ordentlich aussehen, braucht man noch Wellrohr. Das bekommt man in den USA z.b. bei Waytek Wire, und das ist auch eigentlich gar nicht teuer, man muß nur eine Mindestmenge abnehmen. Wichtig ist, die temperaturfeste Variante (min. 135 C) zu nehmen, die ist mit einem farbigen Streifen gekennzeichnet. Die "Billigvariante" schmilzt im Fiero-Motorraum wie Schokolade in der Sonne. Notfalls kann man auch ausgeschlachtete Wellrohre recyclen, aber wegen des Alters haben sie u.U. Flexibilität eingebüßt und können brechen.

Hier bekommt man übrigens auch Zubehör wie Befestigungsclips für die Wellrohre oder auch Werkzeug zum schonenden Einlegen einzelner Leitungen.

Fazit

So gerüstet mit den korrekten Steckern, Kontakten und Werkzeugen kann man sowohl Wartung als auch Erweiterungen an der Fiero-Elektrik durchführen, die von der Originalinstallation nicht zu unterscheiden sind.