Als Hella vor einigen Jahren ihre modulare 90 mm Scheinwerferserie herausgebracht hat, fing Reinhold bald an, auf dieser Basis in Deutschland legale alternative Scheinwerfer für den Fiero zu entwickeln. Damit sollte es sogar theoretisch möglich sein, anstelle von H7-Scheinwerfern Xenon im Fiero zu verbauen.

Bald gab es erste Prototypen aus lasergeschnittenem, geschweisstem Blech, und das Resultat war beeindruckend. Die Scheinwerfer öffneten nur noch halb so weit wie vorher, und die H7 Scheinwerfer sind im Vergleich zu den alten H4 Funzeln ein Unterschied wie Tag und Nacht. Die Nachfolger dieses Ur-Modells sind in Europa bei Timo von Fiero Europe zu bekommen.

 

Was leider Viele nicht wissen, Reinhold ist der Erfinder dieser beliebten Scheinwerfer-Variante, die mittlerweile sogar den Weg über den Teich ins Mutterland des Fiero gefunden hat. Fast alle runden Doppelscheinwerfer die man sieht gehen praktisch auf seine Ideen zurück !

 

Der Vorteil von getrennten Leuchtmitteln für Fern- und Abblendlicht gegenüber H4 liegt auf der Hand. Da bei H4 Lampen beide Glühfäden im gleichen Glaskolben sind, dürfen Fern- und Abblendlicht nie gleichzeitig eingeschaltet sein, sonst brennt die Glühlampe durch. Bei H1/H7 oder Xenon ist das natürlich nicht der Fall, so dass hier Fern- und Abblendlicht gleichzeitig eingeschaltet sein dürfen.

Hat man allerdings Xenon verbaut, ist z.B. Lichthupe schädlich: der Hochspannungsgenerator wird kurz ab- und wieder eingeschaltet, was die Lebensdauer der Komponenten verkürzt. Daher möchte man (ob Xenon oder nicht) das Abblendlicht eingeschaltet lassen, auch wenn das Fernlicht eingeschaltet wird. Aber wie?


Abblendlicht: an lassen!

Auf den ersten Blick sieht die Sache ja ganz einfach aus. Den Fernlichtschalter an der Lenksäule mit einem Kabel brücken und gut ist's. Oder? Auf den zweiten Blick ist die Idee nicht so toll, und der Grund ist Folgender. Das Zauberwort heißt: Strombelastbarkeit. Eine H4-Lampe hat ca. 55 Watt, das entspricht einem Strom von ca. 5 Ampere. Die Kabel sind also auf 10 Ampere Gesamtstrom ausgelegt, wenn entweder Fern- oder Abblendlicht eingeschaltet sind. Mit unserer geplanten Erweiterung steigt dieser Strom auf 20 Ampere an, wenn Fern- und Abblendlicht gleichzeitig eingeschaltet sind. Das ist ziemlich viel Strom, und wenn ein Kabel überlastet wird, kann es überhitzen oder wie eine Sicherung durchbrennen. Oder es gibt einen Kabelbrand. Fieros brennen überigens leuchtend orange. Es soll ein faszinierender Anblick sein. Ich habe allerdings nicht vor, das auszuprobieren. Selbst wenn der Fiero nicht gleich in Flammen aufgeht, treffen einen Probleme mit der Beleuchtung logischerweise wahrscheinlich im Dunkeln, und wenn dann ein Unfall mit dem neuerdings unbeleuchteten Fiero passiert, ist das auch keine erstrebenswerte Sache.

Ein weiterer Grund ist der Spannungsabfall. Je mehr Strom fließt, desto mehr Spannung fällt an der Zuleitung ab, und um so weniger Leistung kommt am Scheinwerfer an. Wenn die gesamte Scheinwerferkabelei (inkl. der 25 Jahre alten und wahrscheinlich oxidierten Stecker) nur 0.25 Ohm Widerstand hat, fallen bei 20 Ampere Strom bereits 5 Volt am Kabel ab, und am Scheinwerfer kommen nur noch 8.8 Volt an, was fast nur noch die Hälfte der ursprünglichen 13.8 Volt ist. Bei H1/H7 Lampen brennen die Lampen etwas dunkler als normal, aber bei Xenon Vorschaltgeräten kann das dazu führen, dass sie nicht zünden, und dann bleibt es dunkel. Denn insbesondere beim Einschalten ziehen die Vorschaltgeräte einen erhöhten Einschaltstrom. Das kann dazu führen, daß einer der Scheinwerfer dunkel bleibt, was ich persönlich schon erlebt habe!

Da man sich auf seine Beleuchtung verlassen können muss, ist es sinnvoll, die Neuverkabelung zumindest beim Abblendlicht auf das absolut notwendige Minimum zu beschränken. Denn jeder zusätzliche Spleiß, Stecker oder Relais ist eine Komponente, die Ausfallen kann und dann zu Dunkelheit führt. Das Fernlicht dagegen ist weniger kritisch. Aber genug Vorgeplänkel, jetzt geht's zur Sache.


Unter der Haube

Das erste, was ein Blick in die Schaltpläne verrät, ist die schwach ausgelegte Masseleitung. Das Massekabel hat nur 0.8mm, während der Rest der Beleuchtung auf 1mm ausgelegt ist, und obendrein wird das Massekabel dann noch an einen Spleiß in der Nähe von C100 geführt, bevor es endlich nach Masse geht. Schlecht für H1/H7, noch schlechter für Xenon-Vorschaltgeräte. Daher wird als erstes ein neues (schwarzes) 1.5mm Massekabel an jeder Seite von der Masseschraube am Kotflügel auf einen neuen, 2 poligen Weatherpack-Stecker für das Abblendlicht geführt. Der Grund: vor allem, aber nicht nur, bei Xenon-Vorschaltgeräten ist eine direkte, niederohmige Masseverbindung 5 Metern 0.8mm Kabel vorzuziehen.

Das beige 1mm Abblendlichtkabel behalten wir, denn neue Kabel hinter dem Kühler einzuziehen macht wenig Spaß. Da das beige Kabel zuerst zum linken Scheinwerfer geht, und von dort zur rechten Seite geführt wird, brauchen wir hier einen Spleiß, denn es passen keine 2 Kabel durch eine Weatherpack-Steckerdichtung. Ich habe die Kabel im Haupt-Kabelbaum zusammengeführt, und so habe ich jetzt einen 2-poligen Weatherpack-Stecker, an dem mein Abblendlicht anliegt. Damit ist auch eine spätere Aufrüstung auf Xenon problemlos möglich. Wer direkt auf Xenon wechseln möchte, kann hier anstelle des Weatherpack-Steckers natürlich auch gleich den passenden Xenon-Vorschaltgerätestecker verbauen.

Das H1/H7-Fernlicht gibt es mit (optionalem) Standlichtbirnchen, also habe ich hier einen 3-poligen Weatherpack-Stecker für Standlicht, Fernlicht und Masse verwendet. Mit Ausnahme des Standlichts, das ich zu den Scheinwerfern führen mußte, habe ich nur die bereits existierenden Fiero-Kabel verwendet, also die alte Fern-/Abblendlichtmasse und das alte (hellgrüne) Fernlichtkabel. Wie beim Abblendlicht muss der Crimp mit den zwei Kabeln am linken Scheinwerfer durch einen Spleiß im Hauptkabelbaum ersetzt werden, und die Masseleitung für das Standlicht wird direkt an die Fernlichtmasse angeschlossen, damit man nicht einen noch größeren 4-poligen Weatherpack-Stecker braucht. Die mickrigen zusätzlichen 2W Fernlichtbirnchen machen der Fernlichtmasse nichts aus.

Die rechte Seite ist noch einfacher als die Fahrerseite, denn hier wird an jedes Kabel nur einfach ein Anschluß (alte Masse/Fernlicht) angecrimpt. Natürlich muß auch hier das Standlicht zugeführt und die Standlichtmasse an die Fernlichtmasse angeschlossen werden.

Das war's schon unter der Haube, jetzt haben Fern- und Abblendlicht getrennte Schaltkreise mit jeweils >1mm Kabel, bis hin zum Stecker durch die Spritzwand, C100.


Im Fahrzeug

Bevor es losgeht, brauchen wir Zugriff auf C100, und dazu müssen wir ihn ausbauen und den einen oder anderen Kontakt umverdrahten. Der Stecker wird mit einer 1/4" Schraube zusammengehalten, und wenn der Stecker neben dem Bremskraftverstärker abgezogen ist, kann man von innen hinter den Pedalen zwei laaaange 7mm Schrauben entfernen. Danach kann man den Stecker zu sich heranziehen und ganz angenehm damit arbeiten. Die Anschlüssen sind allerdings mit einer weißen Sperre verriegelt, die erst seitlich herausgezogen werden muß, bevor man die Kontakte mit dem geeigneten "Terminal-Pick" entfernen kann.

Wenn man sich nun die Schaltpläne des Fiero genauer anschaut, fallen zwei Dinge auf: 1) die Scheinwerfer haben keine Sicherung, sondern einen Sicherungsautomaten, der im Lichtschalter integriert ist, und 2) der Ausgang des Lichtschalters geht zum Fernlichtschalter an der Lenksäule, und auch zu den Scheinwerfermotoren für das Ausfahren der Scheinwerfer.

Ersteres ist ein weiterer Grund, warum Fern- und Abblendlicht über eine Leitung keine gute Idee sind, denn der doppelte Strom würde den Sicherungsautomaten auslösen. Letzteres zeigt uns, daß wir mit dem gelben Kabel anfangen müssen. Vertauschen wir im Fahrzeuginnenraum an C100 die Kontakte J7 (beige) und J9 (gelb), haben wir den Fernlichtschalter umgangen, und jetzt speist das gelbe 1mm Kabel das Abblendlicht, egal, ob Fernlicht an ist oder nicht! Genau das wollen wir ja, nur leider öffnen sich die Scheinwerfer nur noch, wenn das Fernlicht eingeschaltet ist. Hmmm. Deshalb kneifen wir jetzt das beige J7-Kabel ab, und verbinden es mit dem gelben Kabel. Jetzt speist das gelbe Kabel das Abblendlicht durch J7, und steuert die Scheinwerfermotoren durch J9. Für diesen Spleiß habe ich das gelbe Kabel an J7 nicht durchtrennt, sondern nur die Isolation ein Stück entfernt, und das beige Kabel daran festgelötet. Damit ist das gelbe Abblendlicht-Kabel weiterhin intakt. Das Kabelende, das vom Fernlichtschalter kommt gut isolieren und wegbinden.

So, jetzt haben wir ein Abblendlicht, daß unabhängig vom Fernlicht eingeschaltet bleibt, und der Sicherungsautomat vom Abblendlicht im Lichtschalter hat auch noch die alte Funktion, aber wir brauchen den Saft für unser Fernlicht jetzt von woanders. Deswegen bauen wir jetzt ein 15 Ampere-Fernlicht-Relais ein! Ich habe einen Relaissockel verwendet, und ihn am Kabelbaum für C100 mit Kabelbinder befestigt. So kommt man noch immer an das Relais heran.

Das hellgrüne Kabel an C100/J8 durchtrennen und einen Anschluß des Relaissockels (Spulenanschluß) damit verbinden. Ein neues 0.8mm schwarzes Kabel an die andere Seite der Relaisspule anschließen. Dieses Kabel mit Masse verbinden. Wenn jetzt das Fernlicht eingeschaltet wird, schaltet der Fernlichtschalter über den Sicherungsautomaten nur noch das Relais zu, und nicht mehr das Fernlicht selbst. Der zusätzliche Strom für das Relais ist vernachlässigbar.

Einen neuen Metripack-Kontakt an ein neues, hellgrünes Kabel crimpen und in C100/J8 einführen. Das andere Ende mit einem der normalerweise offenen Relaiskontakte verbinden. Jetzt brauchen wir nur noch eine abgesicherte Stromversorgung für das Relais, den letzten offenen Relaiskontakt. Da gibt es mehrere Möglichkeiten:

  1. Man kann ein neues, rotes Kabel über ein "Fusible Link" an den "Junction Block" in der Nähe der Batterie führen. Das tastet die bestehende Verkabelung nicht an, ist aber ein großer Aufwand, vor allem, weil das Kabel im Motorraum vor Hitze geschützt werden muß.
  2. Eine weitere Möglichkeit ist ein Abgriff an der 3mm Speiseleitung für die Fahrzeugbeleuchtung, die damit ausreichend dimensioniert ist. Allerdings braucht man entweder einen Sicherungshalter, Sicherungsautomaten oder eine Fusible Link für den neuen Fernlichtschaltkreis. Ich mag "Fusible Links" nicht besonders, weil sie schwierig auszutauschen sind, vor allem unter dem Armaturenbrett. Ein Sicherungsautomat wäre nicht schlecht, aber einen GM-Circuit-Breaker in der Nähe des Sicherungskastens ist vielleicht keine so gute Idee, weil das Metallgehäuse zu Kurzschlüssen führen könnte. Der Vorteil eines Sicherungsautomaten ist, dass er sich selber wieder zurücksetzt, also kann man ihn etwas versteckter verbauen.
  3. Man kann die existierende TAIL-Sicherung verwenden, aber sie ist nur für ca. 60W Beleuchtung durch den Lichtschalter ausgelegt (ca. 5 Ampere), plus weitere 5 Ampere durch die INST-Sicherung. Damit bleiben 10A Kapazität, und man ist nahe an den 20A, die die Sicherung bietet. Und wenn diese Sicherung durchbrennt, sitzt man komplett im Dunkeln, weil dann auch Armaturenbrett, Brems- und Standlicht weg sind. Man könnte natürlich das Extrakabel auf der abgesicherten Seite der TAIL-Sicherung anlöten, und die Sicherung auf 25 Ampere erhöhen.

Wie man sieht, haben alle Methoden ihre Vor- und Nachteile. Ich habe Methode #2 verwendet, mit einem Hella-Relais mit integriertem Sicherungshalter, was die Verkabelung weiter vereinfacht hat.

Fazit

H1/H7/Xenon Scheinwerfer sind eine der besten Verbesserungen, um einen Fiero ins neue Jahrtausend zu bringen. Der Wagen sieht nicht nur besser aus, sondern der Zugewinn an Licht ist phänomenal!